Wandern mit Diabetes

Wandern mit Diabetes

Früher fand ich Wandern immer total ätzend. Früher, das war so mit 8, 9, 10 Jahren – im Wanderurlaub mit den Eltern. Dabei waren die auch alles andere als Hardcore-Wanderer. Meist sind wir eh mit der Seilbahn hoch gefahren und maximal nach unten gelaufen.

Und jetzt werde ich im Internetz überflutet von pinteresquen Fotos der Alpen, endlos weite Sicht bei strahlendem Sonnenschein und würde irgendwie selbst ziemlich gern meine Wanderstiefel schnüren und zum Wandern nach Berchtesgaden fahren. Werde ich alt? Vielleicht.

Statt in die Alpen gings dann aber doch erstmal in die nähere Umgebung. Die Fränkische Schweiz ist ja auch tatsächlich ein recht beliebtes Urlaubsgebiet und wir wollten die Ehrenbürg, die hier alle nur im tiefsten fränkisch als „Walberla“ bezeichnen, bewandern. Da ich exakt gar keine Erinnerung an meine letzten Freizeit-Wanderausflüge habe und schon gar nicht mit so fancy Diabetes-Stuff wie einem Sensor am Arm, war das also auch für meinen Diabetes ein Experiment.


Die Ausrüstung

Geht’s euch auch so, dass ihr beim Sport gleich viel motivierter seid, wenn ihr schicke Sportklamotten anhabt? Mir irgendwie schon. Vermutlich wäre unsere Wanderung auch locker mit Sneakers und Jogginghose machbar gewesen. Aber hey, wenn schon, denn schon – Wanderstiefel schnüren und Rucksack aufsetzen! Gerade als Diabetiker wird einem ja eh immer prophezeit, wie wichtig das richtige Schuhwerk doch ist (und überhaupt und sowieso fallen uns ja allen irgendwann mal die Füße ab). Ein guter Wanderschuh trägt eben doch viel zur Stabilität des Fußes bei und vermindert das Risiko des Umknickens. Von Billigschuhen bin ich mittlerweile wirklich weg, das ist nur Sparen am falschen Ende.


Übrigens: Wandern ist auch wunderbar zum Abnehmen geeignet. Man schwitzt nicht wie ein Affe und verbrennt trotzdem relativ viele Kalorien – genau meine Art von Sport 😀


Die Verpflegung

Da ich noch nicht wusste, wie sich das Wandern auf den Diabetes und meinen Blutzucker genau auswirken wirkt, hatte ich natürlich vorgesorgt. Ach, wem mache ich eigentlich was vor: Ich habe tierische Angst vor Unterzuckerungen und schleppe sogar zu einem kurzen Stadtspaziergang Tonnen an Saft und Traubenzucker mit. Wer da weniger panisch veranlagt ist als ich (was vermutlich die entspanntere Haltung ist), sollte trotzdem an genügend schnellwirksame Hypo-Helfer denken. Ich finde nach wie vor das Dextro Energy Liquid Gel enorm praktisch und natürlich etwas Saft und Müsliriegel.
Aber auch in Sachen normaler Nahrung war ich gut gerüstet für die Wanderung: Langkettige Kohlenhydrate, die den Blutzucker auf Dauer stabil halten und Energie geben, durften in Form von Vollkornbroten mit. Für den schnellen Energieschub zwischendurch etwas Obst: Äpfel und Bananen. Dann kann es ja losgehen.


Die Wanderung

Schon beim Frühstück habe ich mich auf die Wanderung vorbereitet, indem ich etwas weniger Basalinsulin gespritzt habe, da ich ja viel in Bewegung sein würde. Auch habe ich Nahrung vermieden, die meinen Blutzucker schnell ansteigen und schnell abfallen lassen würde – stattdessen gab es Quark mit Nüssen. Pumpenträger haben es da natürlich einfacher und schrauben die Basalrate während der Aktivität einfach herunter.
Kurz vor der Wanderung – mit dem Start ungefähr 2 Stunden nach dem Frühstück, damit nicht mehr zu viel aktives Insulin im Körper ist – habe ich meinen Blutzucker noch einmal gecheck. Eigentlich war mein Ziel ein Ausgangswert von 180, die Diabetikerrealität war dann aber anders und der Blutzucker lag bei 240. Korrigiert habe ich trotzdem nichts, die Bewegung wirds schon richten.
Und das tat sie auch – nach nicht mal einer Stunde bergauf Laufen stand schon eine 150 mit einem Pfeil senkrecht nach unten auf dem Display. Zeit also für eine Pause und Essensnachschub, damit es weiter gehen konnte.


Leider kamen wir letztenendes nach dieser Essenspause nicht sonderlich viel weiter, da es wie aus Eimern zu schütten begann und wir die Wanderung abbrechen mussten. Aber wenigstens eins konnte ich herausfinden – auch eigentlich „leichte“ Aktivitäten wie Wandern können den Blutzucker ganz schön beeinflussen. Das Experiment wird hoffentlich bald fortgesetzt 😉


 

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6 thoughts on “Wandern mit Diabetes

  1. Sabine

    Yeah! Wandern macht Laune 🙂
    Meine erste Wandererfahrung ist beinahe schief gegangen, weil ich zu wenig Wasser und die „falschen“ Hypohelfer dabei hatte. Durch das zu wenige Trinken bekam ich Kopfschmerzen und bemerkte den UZ sehr spät. Das mitgenomme Zuckergel hatte aber einen fiesen Fruchtgeschmack und danach war mir im wahren Sinne kotzübel.
    Seitdem weiß ich: genug Wasser und ausgetestet Hypohelfer einpacken. Empfehlen kann ich geschmacksneutrales Kohlenhydratpulver das man in Wasser auflösen kann (Sportlerergänzungsnahrung).
    Jetzt gehe ich regelmäßig wandern und mit Pumpe und Dexcom macht es nochmal doppelt so viel Spaß 🙂

    1. Oh verdammt! Ja, die meisten dieser Zuckergels finde ich auch total widerlich, allen voran Jubin 😀 – ich hab immer DextroEnergy Liquid Gel dabei, das schmeckt für mich noch am erträglichsten. Ein großer Traubenzuckerfan werde ich aber trotzdem nicht 😉 Das mit dem Kohlenhydratpulver klingt interessant, muss ich mir mal ansehen! 🙂

  2. Karo

    Das geht mir auch so! Wir haben bei uns die Sächsische Schweiz und auch nach einer garnicht so langen Strecke bei guter gleichmäßiger Wanderung, stürzt mein Zucker bald ganz schön ab!
    Ich esse dann ab und zu mal einen Keks. 😅

  3. Anna

    Hallo
    Würdest du mir sagen, welche wanderschuhe du trägst?
    Liebe Grüsse
    Anna

    1. Hallo Anna! Die Schuhe sind von der Marke „Lowa“, allerdings weiß ich nicht welches Modell, da ich sie in einem Outlet gekauft habe. Sind aber sehr bequem, kann die Marke nur empfehlen – hab auch noch billige Wanderschuhe von Decathlon (Eigenmarke Quechua) und die sind bei weitem nicht so bequem.
      Liebe Grüße!

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