Tauchen mit Diabetes – Alles, was du wissen musst! [Gastbeitrag von Diabetes-Diving-Destinations]

Tauchen mit Diabetes – Alles, was du wissen musst! [Gastbeitrag von Diabetes-Diving-Destinations]

Ums Tauchen mit Diabetes ranken sich die größten Mythen, die schon damit anfangen, dass man das ja ohnehin gar nicht darf. Die Tauchschulen würden jeden Diabetiker abweisen, denn es ist ja verboten, mit dieser Krankheit einen Tauchschein zu machen. Wirklich? Meine eigenen Taucherfahrungen beschränken sich leider auf eine katastrophale Schnupper-Tauchstunde in einem Schwimmbad – ich werde total panisch unter Wasser. Nicht mein Element. So faszinierend ich die Unterwasserwelt auch finde: Ich bleibe beim Schnorcheln, weiter weg von der Wasseroberfläche geht’s für mich definitiv nicht.

Nichtsdestotrotz hat mich das Thema „Diabetes und Tauchen“ nicht losgelassen und ich wollte mehr darüber wissen – wie gut, dass mir Iris über den Weg gelaufen ist! Sie hat den Tauchschein mit Diabetes gemacht und bloggt auf Diabetes-Diving-Destinations über alles, was man zum Thema wissen muss. Zeit für ein Interview!


Hey, Iris! Stell dich und deinen Blog doch zuerst in ein paar Sätzen vor 😊
Mein Name ist Iris, komme aus Bremen und bin seit 30 Jahren Typ 1 Diabetikerin. Meine größte Leidenschaft ist das Reisen und ich liebe das Tauchen – vor allem hierüber schreibe ich auf diabetes-diving-destinations.

Als du beschlossen hast, den Tauchschein zu machen – hattest du da zuerst Bedenken aufgrund des Diabetes?
Eigentlich nicht. Ehrlich gesagt kam es mir auch gar nicht direkt in den Sinn, dass das ein Problem werden konnte. Ich habe dann ein wenig im Internet recherchiert und mich soweit ich konnte darauf vorbereitet.

Oft hört man, dass Diabetiker von Tauchschulen abgewiesen werden oder ihnen andere Steine in den Weg gelegt werden. Mit welchen Hürden hattest du zu kämpfen?
Ganz ehrlich mit gar keinen. Ich habe zwar noch bei der Anmeldung zum Kurs für den Open Water Diver vorher die Tauchbasis gefragt, aber da ich eine Tauchtauglichkeitsbescheinigung vom Taucherarzt hatte, war das überhaupt kein Problem. Ich kann mir vorstellen, dass es wahrscheinlich anders ausgesehen hätte, wenn ich mich auf Reisen spontan hätte anmelden wollen. Man sollte schon vorbereitet sein und sich mit dem Wissen, dass man als Diabetiker sehr wohl tauchen lernen darf, an eine Tauchbasis wenden.

Wie lief der Prozess „Tauchschein machen“ ab? Gab es irgendwelche Dinge, die du vorher nicht bedacht hattest und die dich überrascht haben?
Als ich mich dazu entschieden hatte, in Ägypten einen Tauchkurs zu machen, habe ich vorab im Internet etwas recherchiert. 2004 gab es dazu noch nicht ganz so viel, ein paar Informationen habe ich aber dazu gefunden. Dann habe ich mich zu einer Tauchtauglichkeitsuntersuchung angemeldet. Die Tauchbasis hatte mein Freund über das taucher.net rausgesucht und wir haben dann schon von Deutschland aus den Kurs gebucht. Außerdem haben wir vorher eine Tauchunfallversicherung abgeschlossen.
Mal abgesehen davon, dass wir ein wenig Pech hatten, weil ich während des Kurses eine Ohrenentzündung bekam und wir erst einmal ein paar Tage aussetzen mussten, verlief eigentlich alles glatt. Erst einmal beginnt man mit dem Theorieunterricht und Übungen im Pool, die wir glücklicherweise im flachen Wasser am Strand machen konnten. Später haben wir dann vom Boot aus getaucht, das hieß dann, dass wir zuerst immer ein paar Übungen gemacht haben und dann noch einen ganz normalen Tauchgang genießen konnten. Man ist am Anfang noch ganz schön mit sich und seiner Ausrüstung beschäftigt, aber trotzdem war ich von Beginn an fasziniert von der Unterwasserwelt.

Wie bereitest du dich in Sachen Diabetes auf Tauchgänge vor?
Wie eigentlich alle Sportarten kann Tauchen ziemlich anstrengend sein, und es gibt einige Faktoren, die zu beachten sind.
Wenn ich vormittags schon tauchen gehe, dann achte ich darauf, dass ich vorsichtig mit dem Bolus fürs Frühstück bin, damit ich nicht noch zu viel oder besser noch kein restwirkendes Insulin zum Tauchgang habe. Unter einem Blutzucker von 180 mg/dl gehe ich nicht ins Wasser. Als ich noch kein CGM bzw. den Libre hatte, habe ich engmaschig vor dem Tauchgang gemessen (mindestens eine Stunde vorher, halbe Stunde vorher, direkt davor). Mit CGM und Libre hat sich das schon sehr vereinfacht, weil man durch die Trendpfeile eine Tendenz im Blutzuckerverlauf erkennen kann. Trotzdem würde ich mich niemals ausschließlich auf CGM/FGM verlassen. Mindestens direkt vorher messe ich auf jeden Fall blutig. Die Pumpe lege ich kurz vor dem Tauchgang ab und gleich hinterher wieder an.
Wenn ich das Gefühl habe, der Tauchgang könnte besonders anstrengend sein, weil ich z.B. noch an der Oberfläche eine Strecke schwimmen muss oder mit etwas Strömung zu rechnen ist, dann esse ich meistens vorher noch eine Kleinigkeit zur Sicherheit.
Ich habe immer ein oder zwei Tuben Jubin beim Tauchen in der Tasche, mein Tauchpartner ebenfalls eine. Die kann ich unter Wasser leicht einnehmen. Allerdings würde ich empfehlen, das ein paar mal zu üben, weil man dazu den Atemregler aus dem Mund nehmen muss. Am besten gleich im Kurs, einfach mal mit dem Tauchlehrer absprechen.

Wie managst du deinen Diabetes während der Tauchgänge? Was machst du mit deinem Equipment und habt ihr spezielle „Diabetes-Handzeichen“?
Eigentlich trage ich eine Pumpe, allerdings auf Reisen oder bei reinen Tauchurlauben steige ich schonmal gerne auf den Pen um. Die Pumpe koppele ich bevor es ins Wasser geht immer ab. Auch wenn sie wasserdicht ist, druckfest ist sie nicht!
Weder für meine Pumpe (als Empfänger für die Enlite-Sensoren/CGM) noch für den Libre, den ich vor dem CGM hatte und während Pumpenpausen – also wenn ich auf den Pen umsteige – weiterhin nutze, habe ich wasser- und druckdichte Taschen.Für mich war und ist das auch kein Problem. Fühle ich mich unwohl, dann wird der Tauchgang halt beendet. Man sollte sich sowieso langsam an alles herantasten, ein Gefühl für sich unter Wasser entwickeln und beobachten wie der Blutzucker durch das Tauchen beeinflusst wird.
Die Dauer eines Tauchgangs hängt von mehreren Faktoren wie z.B. Tiefe, Temperatur, Luftvorrat, uvm. ab. Man kann aber grob sagen, dass ein Tauchgang in warmen Gewässern meistens so ungefähr 45-60 Minuten dauert.
Glücklicherweise ist mein Freund auch mein Tauchpartner. Sollte ich das Gefühl haben, der Zucker ist zu niedrig, haben wir ein Handzeichen verabredet. Dabei gebe ich erst das allgemeine Zeichen für „etwas stimmt nicht“ und dann forme ich mit dem Zeigefinger und Daumen ein „L“ für Low. Wenn wir mit einer Gruppe unterwegs sind oder mit einem Tauchguide, dann teile ich der Gruppe bzw. dem Guide dieses Zeichen vorher mit. Auch, dass ich dann unter Wasser Zuckerlösung (Jubin) zu mir nehmen würde und dann den Tauchgang gemeinsam mit meinem Tauchpartner umgehend aber in Ruhe beende. Die Gruppe kann dann einfach weiter tauchen.


Die typischen Tauch-Destinationen liegen oft in heißen Ländern – lies hier, wie du dein Insulin bei Hitze schützen kannst!


Wo sind deine Lieblings-Tauchdestinationen?
Von den Philippinen und Indonesien war ich extrem beeindruckt. Die Vielfalt der Unterwasserwelt ist unglaublich und ich habe vom winzigkleinen Pygmäenseepferdchen bis hin zum Fuchshai und Mondfisch alles mögliche gesehen.
Außerdem liebe ich das Rote Meer. In Ägypten war ich schon ganz oft, aber am besten gefällt es mir in Sharm el Sheikh bei den Sunshine Divers. Dort wird man als Diabetiker mit ärztlicher Bescheinigung auch definitiv nicht abgewiesen, wenn man gerne Tauchen lernen möchte 😉
Wohin ich demnächst unbedingt noch einmal hin muss ist Mexiko. Dort habe ich in den Cenoten meinen Höhlentauchschein gemacht und das war wirklich atemberaubend.
Aber ob See in Deutschland oder tropisches Meer – unter Wasser gibt es überall viel zu entdecken!


Vielen Dank nochmal an Iris von Diabetes-Diving-Destinations für das tolle und informative Interview!
Habt ihr einen Tauchschein und wie lief es bei euch mit dem Diabetes ab? Erzählt mir doch in den Kommentaren von euren Erfahrungen 🙂

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2 thoughts on “Tauchen mit Diabetes – Alles, was du wissen musst! [Gastbeitrag von Diabetes-Diving-Destinations]

  1. Das ist ja wirklich sehr spannend. Ich würde auch so gerne tauchen lernen, aber mir geht es da wie dir Ramona mit der Panik unter Wasser. Vielen Dank für deinen Beitrag hier.
    Liebe Grüße vom Bodensee
    Julia

    1. Hey Julia!
      Freut mich, dass du den Beitrag gut fandest, auch wenn Tauchen nichts für dich ist – vielleicht überwinden wir uns ja eines Tages 😉
      Liebe Grüße!

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