Tattoos und Diabetes – Teil I: Vorbereitung und Stechen

Tattoos und Diabetes – Teil I: Vorbereitung und Stechen

Schon wieder ein Blogpost über Tattoos und Diabetes! Tatsächlich haben mich aber nach der Veröffentlichung meines Beitrags über mein Diabetes-Tattoo viele Nachrichten erreicht, in denen ich zum Tätowieren mit Diabetes befragt wurde. Da liegt doch ein Blogeintrag darüber nahe – also los, begleitet mich zum Tattoo-Termin! 🙂


Noch nicht genug? Hier findet ihr Teil II und Teil III über Tattoos und Diabetes!


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Tattoo-Vorbereitungen?

Ein Großteil der nötigen Vorbereitungen gilt auch für Nicht-Diabetiker: Du solltest immer ausgeschlafen, gut genährt und ohne Alkohol oder sonstige Drogen im Blut beim Tätowierer erscheinen. Außerdem solltest Du schon einige Tage im Voraus darauf achten, genug Flüssigkeit zu dir zu nehmen. Am Tag des Tätowierens fällt mein Frühstück immer recht üppig aus. Es dürfen auch gerne einige Scheiben Brot mit Marmelade oder Nutella sein. Auf jeden Fall achte ich aber darauf, langkettige Kohlenhydrate wie Vollkornbrot zu mir zu nehmen, die lange im Blut bleiben und den Blutzucker stabil halten.

Wenn ich meine Tasche packe, sieht das an solchen Tagen aus, als würde ich mich auf eine mehrtägige Nahrungsmittelknappheit einstellen. Neben Getränken sowie etwas „Normalen“ zu Essen für die Pausen dürfen allerhand Hypo-Reserven nicht fehlen. Man sollte nicht denken, dass man beim Tätowieren ja nur rumliegt! Es ist extrem anstrengend für den Körper, über Stunden Schmerzen und Wunden zugefügt zu bekommen. Es begleiten mich also noch: Müsliriegel, Schokolade, Capri-Sonne und Traubenzucker. Am Liebsten greife ich hierbei mittlerweile auf Dextro Energy Liquid Gel zurück.

Unterzucker


Beim Tattoo-Termin

Also ab zum Tätowierer! Ein fähiger und verantwortungsbewusster Stecher wird euch immer vorher fragen, ob ihr Allergien oder Krankheiten habt. Verschweigt den Diabetes an dieser Stelle bitte nicht aus Sorge, dass er Nein zum Tattoo sagen könnte. Ich bin immer offen damit umgegangen und habe betont, dass ich weiß, was im Ernstfall zu tun ist und die Signale meines Körpers gut deuten kann. Außerdem habe ich immer klargestellt, dass es durchaus zu einer Hypo- oder Hyperglykämie kommen kann und ich dadurch vielleicht ein paar Pausen mehr benötige. Auch das war nie ein Problem und alle Tätowierer haben sehr positiv darauf reagiert, dass ich es von alleine angesprochen habe. Ich habe immer schon Bescheid gesagt, wenn ich den Termin ausgemacht habe, und die Tätowierer haben dann immer etwas mehr Zeit eingeplant oder mir den letzten Termin des Tages gegeben, damit es so lange dauern kann, wie es eben dauert.
Habe ich die ganzen Tattoo-Pläne jemals vorher mit meiner Diabetologin besprochen? Nö, wozu auch, ich machs ja sowieso. 😀 Wenn ihr euch dadurch aber sicherer fühlt, dann sprecht es doch einfach mal an.

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Beim Tätowierer

Zeitsprung ein paar Stunden nach vorne: Das Motiv steht, die Vorlage ist gezeichnet, die Schablone auf der Haut angebracht. Ich messe meinen Blutzucker immer ungefähr 15 Minuten bevor das Stechen losgeht noch einmal und kontrolliere, ob alles passt oder ich mir noch etwas aus meiner Futter-Tasche schnappen sollte.

Ich persönlich fange bei einem Wert von unter 200mg/dl (11.1 mmol/l) gar nicht erst an, mich Tätowieren zu lassen. Wie schon gesagt, die körperliche Anstrengung lässt den Blutzucker schneller nach unten rauschen, als einem lieb ist! Und während man tätowiert wird, ist es gar nicht so einfach zu unterscheiden, ob man von der Anstrengung schwitzt und etwas zittrig drauf ist oder ob der Blutzucker schon viel zu weit abgesunken ist. Das ist aber keine allgemeingültige Richtlinie, ich berichte hier nur von meinen Erfahrungen – wie euer Körper auf das Tätowieren reagiert, müsst ihr selbst herausfinden 😉

Ungefähr alle 45-60 Minuten machen wir Pause vom Tätowieren, um zu Messen, etwas zu Essen oder mit Insulin zu korrigieren, falls das Frühstück doch noch mehr nachwirkt als gedacht. Auch hier gilt: Vorsichtig, lieber etwas zu wenig Insulin geben als zu viel. Mir ist es zum Glück noch nie passiert, dass ich während des Tätowierens in eine Hypo gerauscht wäre.

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Ich hoffe, meine Tipps zum Tätowieren haben euch geholfen und euch die eventuelle Angst oder Aufregung genommen. Es gilt das Gleiche wie immer: Diabetiker können alles machen, was „gesunde“ Personen auch können – nur manchmal eben mit etwas mehr Vorbereitung 😉 Im zweiten Teil, der bald online kommen wird, berichte ich dann über die Heilung!

Jetzt seid ihr gefragt: Berichtet in den Kommentaren oder auf Facebook, wie ihr beim Tätowieren so zurechtkommt und teilt eure Weisheiten mit mir 🙂

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7 thoughts on “Tattoos und Diabetes – Teil I: Vorbereitung und Stechen

  1. Corinna Dietlein

    Hi an alle!
    Spitzen Beitrag zum Thema Tätowieren und Diabetes.
    Dank der lieben Ramona bin ich selbst überhaupt erst zum Tätowieren gekommen. Ich hatte überhaupt keine Angst. Ich war ja schließlich bestens durch die tattooerfahrene Ramona vorbereitet und wusste auch ganz genau, dass die Tätowiererin ihres Vertrauens, Bea Fu, mit speziellen Diabetes-Kunden umgehen kann.
    Ich persönlich habe mir allerdings gar nicht so viele Gedanken über die Auswirkungen des Tätowierens auf meinen Blutzucker gemacht. Mein erstes (und bisher einziges Tattoo) ist eh relativ klein am linken Unterarm in schwarz/weiß und bereits zwei Jahre alt. Das Tätowieren an sich verlief problemlos. Ich habe weder Unter- noch Überzucker bekommen und musste auch meine Basaldosis nicht extra anpassen. Gegessen habe ich auch ganz normal.
    Den Tattootermin fand ich echt entspannt und ich würde jederzeit wieder die Entscheidung treffen mit meiner Ramona zur Bea zu gehen, um mich tätotwieren zu lassen.
    <3 <3
    LG, Corinna

  2. Steffie

    Hi Ramona,

    bin zwar komplett „unbedruckt“, aber ein Dia-Tattoo finde ich für die, die sich trauen, prima….

    Für alle Dias, die es mittlerweile leid sind, ständig sämtliche (!) Taschen voller TZ-Krümel zu haben und die sich nicht mit dem Geschmack von Jubin & Co. anfreunden können, habe ich einen Tipp: probiert mal PowerBar Performance Smoothies. Das sind kleine Trinkpäckchen mit 90 g Inhalt, die sogar in Mini-Handtaschen Platz finden. Je nach Geschmacksrichtung haben diese zwischen knapp 2,5 und knapp 3 BE.
    Da Glukosegel bei mir im Falle einer Hypo (und wahrscheinlich auch sonst) Brechreiz auslöst, musste etwas anderes her. Mein Schwager, der gerne mal mit dem Rad die Alpen überquert, hat mir letztes Jahr zufällig die o. g. Smoothies empfohlen. Für mich perfekt: rutscht gut, geht fix ins Blut, ist tranporttechnisch unproblematisch und schmeckt sogar noch ganz gut. Statt klebriger Extremsüße ein fruchtiges, etwas süsseres Püree.

    Seitdem ich das Freestyle libre habe, brauche ich die Teile allerdings nicht mehr so oft ;-D.

    1. Hi Steffie,
      Oh klasse, diese Smoothies kenne ich noch gar nicht 🙂 Gibts die in normalen Supermärkten oder muss man sie bestellen?
      Das Libre ist da wirklich eine Erleichterung, man kann die Hypos so viel früher abfangen 😀

  3. Kirsten

    Ein sehr guter Bericht. Ich habe mich auch schon öfter stechen lassen, seit ich den Diabetes habe (habe den ganzen rechten Oberarm voll und noch einiges andere) und mache es dabei ähnlich wie du, also ich gucke auch, dass mein Wert vorher ziemlich hoch ist, also 200-250 und Messe alle 45-60minuten mal nach. Bisher ging auch alles immer gut. Meinen tätowierern habe ich es vorher auch immer gesagt und es hat sich noch keiner geweigert.
    Bei mir gibt es zum Glück keine Probleme mit anschwellen oder wundflüssigkeit, obwohl ich ziemlich empfindliche Haut habe und auch das abheilen geht sehr schnell. Ich habe allerdings die Erfahrung gemacht, dass ich da 24 Stunden nach dem stechen noch mehr Energie brauche als sonst, einfach weil der Körper ja angegriffen ist. Ich denke also auch meine basalrate um 1-2 Einheiten für den Tag und gehe mit einem höheren Zucker ins Bett als sonst, da ich in der Nacht nach dem stechen immer sehr absinke.
    Aber man sollte sich durch den Diabetes auf keinen Fall die Lust an einem Tattoo nehmen lasse. Das ist in der Regel überhaupt kein Problem 🙂

    1. Hey Kirsten, vielen Dank für deine lieben Worte! 🙂
      Ja, man darf wirklich nicht unterschätzen, wie sehr es den Körper doch anstrengt. Ich merke auch, dass ich auch nach dem Termin noch ganz schön viel Futtern muss. 😀
      Sei froh, dass es mit deiner Wundheilung so gut klappt! Meine Haut zickt da leider gerne mal rum und es dauert echt ewig. Darüber werde ich aber noch einen Extra-Beitrag verfassen 🙂

      1. Tanja

        Auf eure Erfahrungen mit der wundheilung bin ich gespannt, da sich bei mir alle Verletzungen leider über Wochen und Monate ziehen da sich immer alles entzündet. Interessant zu wissen wäre dabei wie gut euer Diabetes über die letzten Jahre eingestellt war???

        1. Bei mir dauert der Heilungsprozess leider auch ewig. Ich habe aber auch nicht immer sooo supergute Werte wie auf dem Foto im Beitrag 😀

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