Reisen mit Diabetes – Ich packe meinen Koffer…

Reisen mit Diabetes – Ich packe meinen Koffer…

… und ich packe eine ganze Menge Diabeteskram ein! Der Countdown läuft, in ein paar Tagen geht es für mich los nach Japan. 🙂

Ich hatte das Glück, mit meiner Familie schon immer viel zu reisen – und es war sogar meist eine Flugreise pro Jahr drin. Kurz nach meiner Diagnose mit 8 Jahren war das aber erstmal nicht der Fall, meine Eltern waren natürlich besorgt und haben sich nicht sofort wieder getraut, weit weg ins Ausland mit mir zu fliegen. Nach ein paar Urlauben in Deutschlands Nachbarländern und der Erkenntnis „Hey, Urlaub klappt ja trotzdem!“ nahmen wir allerdings schnell die Flugreisen wieder in Angriff. Zuerst ging es die meisten Jahre nach Spanien oder die Türkei – bis wir uns, als ich 16 war, an „richtige“ Fernreisen wagten und in die Dominikanische Republik und nach Kuba flogen. Ab da war ich angefixt: Möglichst weit weg muss es gehen!

Seit ich alt genug bin, um allein zu reisen und mein eigenes Geld verdiene, steht für mich mindestens eine Fernreise pro Jahr an. Die Vereinigten Arabischen Emirate, Thailand, Mexiko, Costa Rica, Island… Ich bin also nicht ganz unerfahren, was Reisen um die halbe Welt angeht und möchte euch heute erzählen, worauf ich achte und was ich alles so einpacke – denn die Sprache des anderen Landes spreche ich in den meisten Fällen entweder gar nicht oder nur gebrochen, von anderen Schriftsystemen mal ganz zu schweigen. 😀

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Die Faustregel fürs Reisen mit Diabetes: Doppelte Menge, mindestens! Ich rechne aus, wieviel ich an Nadeln, Lanzetten, Teststreifen, Kanülen und Insulin in der Reisezeit ungefähr benötigen werde, nehme das ganze x2 und runde noch großzügig auf. Gerade beim Insulin lieber zu viel als zu wenig, denkt an das ganze leckere Essen im Ausland 😉 Ich möchte mich nicht darauf verlassen, im Zielland problemlos an meine Medikamente zu kommen und kostspielige Besuche beim Arzt oder in der Apotheke vermeiden – zumal viele Regionen medizinisch unterversorgt sind und der Zugang zum lebensrettenden Insulin nicht so selbstverständlich ist wie bei uns.


Meine Diabetes-Packliste:

  • FreeStyle Libre + Ladegerät + weltweiter Steckdosenadapter
  • Ersatz-Sensoren + Tape/wasserdichte Pflaster zum zusätzlichen Fixieren
  • „normales“ Messgerät, Ersatzgerät + Batterien
  • genug Teststreifen für die Reisezeit (plus Puffer), falls das Libre wider Erwarten den Geist aufgibt
  • Stechhilfe + Lanzetten
  • Pens + Ersatz-Pen
  • Kanülen für den Pen
  • Insulin (mindestens die doppelte Menge)
  • GlucaGen HypoKit
  • Medical Certificate fürs Fliegen
  • Traubenzucker, Gummibärchen und andere nichtschmelzende Hypo-Helfer
  • FRIO-Kühltaschen

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Da ich oft in sehr warme Länder reise, darf eins nicht fehlen: Kühltaschen von FRIO! Man muss die Tasche in kaltes Wasser legen und die enthaltenen Kristalle bilden eine Art Gel, man packt das gekühlte Insulin hinein und durch ein Verdunstungssystem bleibt das Insulin selbst bei extrem heißen Temperaturen über lange Zeit kühl. Wenn man merkt, dass die Kristalle wieder bröckelig werden, wiederholt man den Vorgang einfach. Bestellen kann man die Taschen über die üblichen Diabetes-Versandhändler wie DiaExpert – der hohe Preis mag erst mal abschreckend wirken, ist es aber absolut wert! Ich habe meine FRIO-Taschen schon bestimmt über 10 Jahre und sie funktionieren immer noch wie am ersten Tag.

Unerlässlich fürs Fliegen ist ein Medical Certificate, welches ihr beim Diabetologen erhaltet. Das zeigt ihr bei der Sicherheitskontrolle am Flughafen vor, um eure Medikamente problemlos mitführen zu können. Wichtig ist, dass wirklich alles, was ihr mitnehmt, dort aufgelistet ist – und zwar auch auf Englisch. Ich hatte schon Flughafenkontrollen, wo die Mitarbeiter es nicht mal sehen wollten – und andere Kontrollen, wo ich nach der exakten Anzahl an Nadeln gefragt wurde und alles auspacken und vorzeigen musste. Zusätzlich habe ich noch ein kleines Büchlein, in dem alles Diabetesrelevante in anderen Sprachen steht. Ihr solltet wirklich alles im Handgepäck bei euch tragen und nichts von den Medikamenten im Reisegepäck am Schalter aufgeben! Im Gepäckraum des Flugzeugs kann es tatsächlich so kalt werden, dass das Insulin gefriert – und mit den Koffern wird ja auch in den seltensten Fällen sorgsam umgegangen, von einem Verlust ganz zu schweigen. Glaubt mir, ich habe mal am Flughafen gearbeitet. 😉

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Auch bei der Wahl der Hypo-Helfer achte ich darauf, wohin es geht. Wenn es warm ist, kann ich schmelzende Schokoriegel natürlich nicht gebrauchen, deswegen packe ich Folgendes ein: Gummibärchen (in einem wiederverschließbaren Ziploc-Beutel, damit sie nicht hart werden), Fruchtriegel oder Müsliriegel ohne Schokolade und Traubenzucker in fester sowie flüssiger Form (Dextro Energy Liquid Gel). Getränke wie CapriSonne nehme ich nicht mit, man darf ja eh keine Flüssigkeiten über 100ml mit durch die Sicherheitskontrolle nehmen – ich kaufe mir einfach ähnliche Trinkpacks vor Ort.

Im Flugzeug selbst lasse ich das Insulin nie in den Kühlschrank legen, um es zusätzlich zu kühlen – die FRIO-Taschen reichen da locker und ich hätte auch Angst, es beim Aussteigen zu vergessen. 😀 Deswegen nehme ich immer meinen Rucksack mit dem Diabeteskram mit unter meinen Vordersitz und lege ihn nicht in die Gepäckablagen über den Sitzen, damit ich schnell auf alles zugreifen kann. Achtung, falls ihr an den Notausgängen sitzt: Da hat man zwar mehr Beinfreiheit, darf das Handgepäck aber unter keinen Umständen unterm Vordersitz verstauen und müsste immer erst die anderen Passagiere aufscheuchen, um an die Gepäckablagen zu kommen.

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Auch abseits vom Diabetes ist meine Reiseapotheke immer (zu) gut gefüllt. Natürlich sollte vorher gecheckt werden, ob alle nötigen Impfungen noch gültig sind und welche für das Reiseland gemacht werden müssen. Außerdem finden folgende Dinge noch den Weg in meine Tasche:


  • Desinfektionsmittel
  • eine kleine Menge Pflaster + Verbandsmaterial
  • Fieberthermometer
  • Tabletten gegen Schmerzen und Fieber (Ibuprofen, Paracetamol)
  • Tabletten gegen (Reise)Übelkeit
  • Tabletten gegen Durchfall
  • Allergietabletten
  • je nach Reiseziel: Malaria-Tabletten, Tabletten zur Trinkwasseraufbereitung

Für Reisen in medizinisch unterversorgte Gebiete empfiehlt sich auch, sich mal generell zu informieren, wo denn das nächste große Krankenhaus mit englischsprachigen Ärzten ist. Außerdem lohnt es sich, in Erfahrung zu bringen, ob lebensnotwendige Medikamente auch ohne Rezept in der Apotheke zu bekommen sind. Hierbei helfen größere Reiseversicherungen, die Krankenkasse und das Auswärtige Amt weiter.

Mit den Vorbereitungen beginne ich immer schon 2-3 Wochen im Voraus, um noch alle Rezepte zu holen, um die Vorräte aufzustocken und um nicht auf den letzten Drücker total in Stress zu geraten und am Ende auch wirklich nichts zu vergessen. Und mit prall gefülltem Rucksack und viel Vorfreude kann’s dann auch endlich losgehen 🙂

Welche Erfahrungen habt ihr beim Reisen mit Diabetes gemacht? Worauf achtet ihr besonders, haben sich schon mal Probleme ergeben und wie habt ihr diese gelöst? Erzählt es mir in den Kommentaren, auf Facebook oder Instagram! 🙂

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2 thoughts on “Reisen mit Diabetes – Ich packe meinen Koffer…

  1. Corinna Dietlein

    Hallo!

    Ich habe auch bereits einige Flugreisen hinter mir und habe dabei meine Diabetesutensilien auch immer mit ins Handgepäck genommen. Mein Hausarzt meinte zwar, dass ich es locker in meinen Koffer packen könnte, aber irgendwie traue ich dem Ganzen – aus oben beschriebenen Gründen – nicht so recht. Am Security Check hatte ich noch nie Probleme mit meinen Medikamenten und Nadeln etc. Noch nie wollte irgendjemand auch nur eine Bescheinigung sehen, dass ich berechtigt bin besagte Medikamente mitzuführen. Ich habe ein uraltes Formular, das in ca. 15 Sprachen darüber aufklärt, dass ich Diabetikerin bin und all das, was ich dabei habe, auch wirklich mitnehmen muss. Eine Auflistung aller einzelnen Posten fehlt aber auf dem Formular, das ich vor 12 Jahren von meiner Diabetologin aus dem Kinderkrankenhaus bekommen habe. Notfall-BE für die Reise packe ich in den Koffer. Ich nehme nicht so viel mit, brauche ja schließlich Platz für Klamotten, Schuhe, Schminke usw. Lieber kaufe ich vor Ort dann Cola und Müsliriegel. Auch bei der Notfallversorgung für die Flugreise an sich, bin ich sparsam. Ich bin mir nie sicher, ob es erlaubt ist, Lebensmittel (auch wenn es nur Gummibärchen sind) im Handgepäck in ein fremdes Land einzuführen. Deshalb kaufe ich entweder im Duty Free Shop noch eine Kleinigkeit oder dann direkt im Flughafen des Reiseziels sobald ich gelandet bin. Generell fliege ich lieber mit einem etwas zu hohen Blutzucker, als dass ich im Flugzeug umkippe und eine Notlandung veranlasse. Die Mitreisenden werden es mir danken 😀
    Wie im Post hier beschrieben, kann ich nur wärmstens empfehlen lieber zu viel als zu wenig Insulin, Nadeln, Teststreifen, Batterien und ganz wichtig ein ERSATZMESSGERÄT einzupacken. Da reist es sich gleich viel entspannter wenn man weiß, dass man auf der sicheren Seite ist.

    A propos, Ramona: Weißt du noch unsere gemeinsame Reise damals nach Spanien (mein erster Flug EVER), wo du 14 Tage lang aus Versehen vergessen hattest die Lanzette von deiner Stechhilfe zu wechseln?

    Viel Spaß in Japan und eine angenehme unterzuckerfreie Reise <3 <3 <3

    1. Ohja, natürlich weiß ich das noch! Jetzt, wo du mich daran erinnerst.. 😀 Naja, genug Blut kam ja scheinbar trotzdem noch, sonst hätte ich wohl mal was bemerkt.. 😀
      Essen kannst du übrigens so viel du willst mit durch die Sicherheitskontrolle nehmen, nur eben keine Flüssigkeiten über 100ml. 🙂 Die Aussage von deinem Arzt, es einfach in den Koffer zu packen, finde ich ehrlich gesagt ganz schön fahrlässig – es verschwinden nicht gerade selten Koffer und kommen entweder erst einige Tage später, vielleicht sogar kaputt, oder gar nicht mehr an.
      <3

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