Fiasp von Novo Nordisk – Der Langzeitbericht

Fiasp von Novo Nordisk – Der Langzeitbericht

Zeit für ein Update! Meine ersten Erfahrungen mit dem Turbo-Insulin Fiasp von Novo Nordisk, welches seit April 2017 auf dem deutschen Markt erhältlich ist, habe ich ja bereits in einem früheren Blogpost niedergeschrieben. Doch wie hat sich das Insulin im Langzeittest bewährt? Bin ich nach wie vor zufrieden damit und stimmen die „Gerüchte“, die man so darüber hört?


Kurze Anmerkung vorweg: Ich benutze keine Pumpe, sondern Pens und Fiasp aktuell in Kombination mit Tresiba als Basalinsulin. Zur Wirkung von Fiasp in einer Pumpe kann ich also entsprechend nichts beitragen – meine Aussagen hier beziehen sich komplett auf die ICT 🙂


Fiasp wirkt ultraschnell!

So schnell, man kommt quasi mit dem Gucken gar nicht hinterher! Bloß nicht mit Spritz-Ess-Abstand arbeiten, du wirst die Hypo deines Lebens bekommen! Kurz vorm Essen spritzen reicht vollkommen, oder dabei oder sogar danach! Postprandriale Spitzen adé! Endlich eine Instagram-Worthy Blutzuckerkurve auf dem Display!

Naja … nein. Zumindest bei mir nicht. Zwar kann ich eine deutliche Steigerung in Sachen „schnelle Wirksamkeit“ durchaus feststellen; mit NovoRapid bin ich nach dem Essen oftmals sehr stark angestiegen und musste dann nochmal nachspritzen, um wieder runter zu kommen. Mit Fiasp erfahre ich aber auch hohe Spitzen nach dem Essen – auch, wenn ich vorher spritze! Wenn ich genug Insulin berechne, um diese Spitzen nach dem Essen zu vermeiden, ist es aber leider so, dass ich nach circa 2 Stunden todsicher in einer Hypo lande. Vielleicht braucht mein Körper einfach diesen (im Alltag oft wenig praktikablen) Spritz-Ess-Abstand? Von den flachen Instagram-FGM-Kurven, bei denen sich scheinbar auch Frühstücks-Eskapaden von 6 BE nicht nennenswert auswirken, bin ich jedenfalls meilenweit entfernt. Der Blutzucker kommt zwar wieder runter, aber eben erst nach circa 2 Stunden.



Fiasp wirkt viel kürzer als NovoRapid!

Das ist eine Aussage, die ich soweit bestätigen kann – allerdings nicht in krassem Ausmaß. NovoRapid ist bei mir schätzungsweise 3-4 Stunden im Blut geblieben. Die Wirkung von Fiasp schätze ich auf 2-3 Stunden ein, wobei ich den Höhepunkt der Insulinwirkung ca. 1.5 bis 2 Stunden nach dem Essen merke. Wie oben schon angemerkt, ist das auch oft der Zeitpunkt, wo ich noch eine halbe BE essen muss, um nicht zu unterzuckern. Vielleicht verstoffwechsle ich ja Essen außergewöhnlich schnell? 😀



Von Fiasp nimmt man zu!

Über diese Aussage bin ich tatsächlich sehr oft in diversen Diabetiker-Gruppen auf Facebook und auch auf Instagram gestolpert. Viele berichteten, seit der Nutzung von Fiasp auf einmal 2, 3 Kilo mehr auf den Rippen zu haben – ohne etwas dafür getan zu haben. Für mich kann ich das nicht bestätigen und ich gehe mit solchen Aussagen auch immer eher vorsichtig um; wie in meinem Abnehm-Beitrag geschrieben, nimmt man mit einem Kaloriendefizit ab und mit einem -überschuss zu. Ob ein Insulin, das ja an sich von Aufbau her fast gleich ist zu NovoRapid (was viele vorher verwendet haben) zu einem unerklärlichen Gewichtsanstieg führt, wage ich zu bezweifeln – vielleicht war es ja doch eher die Verlockung, das Stück Kuchen mal eben schnell wegspritzen zu können 😉


Fiasp ist wie NovoRapid, kannst also die gleiche Menge spritzen!

Vorweg: Ich habe kein festes Spritz-Schema. Ich weiß Pi mal Daumen, was ich zu welcher Tageszeit für eine BE rechne… Aber je nachdem, ob ich den restlichen Tag auf dem Sofa sitze, ob ich viel laufe oder zum Sport gehe oder wann es wieder was zu essen gibt (und was!), fallen die Mengen, die ich spritze, komplett unterschiedlich aus. Insofern kann ich nicht mal sagen, ob ich die gleiche Menge Fiasp spritze wie vorher NovoRapid; gefühlt ist es ein bisschen weniger, da ich ja nicht mehr nach 2 oder 3 Stunden hohe Werte korrigieren muss. Allerdings hat sich in den ersten Tagen die Menge an benötigtem Basalinsulin verändert und ich habe plötzlich viel mehr gebraucht! Das hat sich aber mittlerweile auch schon wieder verändert und ich spritze genauso viel Basalinsulin wie vorher mit NovoRapid auch.



Was kann ich persönlich also insgesamt über Fiasp berichten?

Auch wenn Fiasp – zumindest für mich – nicht das Wunderinsulin ist, als das es angepriesen wird und wurde, bin ich dennoch sehr zufrieden. Meine Neigung zum „Wutbolus“ ist deutlich weniger ausgeprägt als bei NovoRapid, wo ich oft echt sauer wurde, wenn der Blutzucker 3 Stunden nach dem Essen immer noch hoch war und das nachgespritzte Insulin dann weitere 2 Stunden erstmal keine Wirkung gezeigt hat. Generell ist meine Kurve zumindest ein bisschen weniger wie Berg- und Talfahrt, wenn auch noch lange davon entfernt, immer im Zielbereich zu sein. Mit Hilfe von Fiasp und der Möglichkeit, ein FGM zu tragen, konnte ich meinen Hba1C von 9,2% (vor dem Libre) zuerst auf 8,7% (mit dem Libre, ohne Fiasp) und mittlerweile auf 7,6% (mit Libre und Fiasp) senken. Dies ist für mich der beste Langzeitwert seit über 10 Jahren und ich bin guter Dinge, dass es weiterhin gut laufen wird.

Insofern bekommt Fiasp von mir auch im Langzeit-Test eine deutliche Empfehlung – auch, wenn man keine Magie und die Lösung aller Probleme erwarten sollte 🙂



Wie sind eure Erfahrungen mit Fiasp? Seid ihr gar eine*r der Glücklichen, denen das Insulin eine komplett flache Kurve zaubert? Verratet mir euer Geheimnis (oder einfach nur eure generellen Erfahrungen) doch hier in den Kommentaren, auf Facebook oder Instagram 🙂


 

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3 thoughts on “Fiasp von Novo Nordisk – Der Langzeitbericht

  1. Muellemer

    Danke für deinen Erfahrungen. Habe morgen Termin beim Diabetologen und möchte mir FIASP verschreiben lassen. Deine „Problemchen“ kenne ich nur zu gut. Bin gespannt, ob ich die Frühstücksspitzen etwas eingefangen bekomme.

  2. Marek

    Also diese Sache mit den Spitzen lese ich immer wieder und geanauso oft wundere ich mich auch darüber. Nach dem Frühstück habe ich immer so eine Spitze, die meist an die 200-220 mg/dl reicht, sich aber nach einer weiteren Stunde auch wieder verabschiedet. Die Gründe bei mir sind ganz einfach. Ich esse halt gern Toast oder Brötchen oder Müsli zum Frühstück. Alles schnell und heftig wirkende KH. Dazu noch einen O-Saft und die 250 sind erreicht. Allerdings schafft auch ein gesunder Mensch nach so einem Frühstück kurzzeitig die 170. Ich sehe das also nicht als Problem und spritze auch nicht dagegen, weil ein bis zwei Stunden oder eine kurze physische Belastung später alles wieder in Ordnung ist. Ich spritze immer noch Novo Rapid und esse dann morgens erst zwanzig bis dreißig Minuten nach dem Spritzen. damit fahre ich eigentlich sehr gut. Aber ich denke, ich werde Fiasp demnächst auch mal testen, könnte ja zumindest morgens eine Erleichterung sein, wenn ich mal wieder zu spät aufstehe und die Zeit knapp wird.

    1. Bei mir ist ja auch alles nach 2-3 Stunden wieder im grünen Bereich. Ich dachte eigentlich auch, diese Spitzen sind relativ normal – aber man wird ja mittlerweile im Internet total kirre gemacht mit allen möglichen Leuten, die den ganzen Tag scheinbar eine schnurgerade Linie auf dem Display stehen haben. Aber klar: Natürlich macht man eher ein Foto, wenns gerade gut läuft als dann, wenn man sich mal wieder gnadenlos auf 320 hochgefressen hat 😀 Ich für meinen Teil freu mich einfach wenns ohne große Anstiege klappt und wenn nicht dann ist ja morgen auch noch ein neuer Tag 🙂
      Und klar, teste Fiasp doch mal! Wenn du eh schon NovoRapid hast und damit gut zurecht kommst, denke ich, Fiasp wird dir noch besser gefallen 🙂

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