Mein Diabetes Tattoo – Und warum ich mich dafür entschieden habe

Mein Diabetes Tattoo – Und warum ich mich dafür entschieden habe

Sobald man eine chronische und potenziell bedrohliche Krankheit hat, sollte man ja irgendwo etwas am Körper tragen, was auf diese Krankheit hinweist. Bei mir weckt das erstmal Erinnerungen an klobige Ketten mit Diabetes-Tags, hässlich, rund und silber, zum Aufschrauben, mit Angaben über die Krankheit und verwendete Medikamente darin. So etwas befand sich früher auch in meinem Besitz – habe ich es jemals getragen? Nein.

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Auch Kärtchen für den Geldbeutel werden immer als sinnvoll angepriesen. Doch wenn mir wirklich etwas passiert, wie lange dauert es, bis jemand auf die Idee kommt, in meinen Geldbeutel zu schauen und zwischen gefühlt hundert Karten, Rechnungen und Fotos einen Hinweis auf den Diabetes findet? Eben.


Was also tun, um irgendwo einen Hinweis auf die Krankheit zu tragen, der im Alltag weder stört, noch zu auffällig ist?

Lange Zeit hat sich nirgends in meiner Nähe ein Hinweis auf meine Krankheit gefunden, und ich habe auch keinen Sinn darin gesehen – ich war doch immer mit Leuten unterwegs, die Bescheid wussten und im Notfall handeln konnten.
Mit dem Alter kam die Einsicht und ich beschloss, dass ein Tattoo quasi DIE Lösung für mich ist. Und hey, noch eins mehr macht auch keinen Unterschied mehr, oder? Schließlich ist es diesmal ein wirklich sinnvolles Tattoo!

Ich entschied mich für das linke Handgelenk als Stelle. Sollte man tatsächlich mal umkippen und am Boden liegen, wird hoffentlich jemand auf die Idee kommen, erstmal den Puls zu fühlen und demjenigen direkt das Tattoo ins Auge springen. Natürlich habe ich bei meinem „Insulin-Kram“ trotzdem noch einen Zettel deponiert, auf dem steht, welches Insulin ich in welchen Dosierungen nutze.

Also ab zur Tätowiererin meines Vertrauens (Bea Fu, die mittlerweile eine meiner engsten Freundinnen ist) und einen Termin vereinbart. Mit der Motivwahl hatte ich nicht lange zu kämpfen: Ich entschied mich für das Diabetes Awareness Ribbon. Diese Schleifen kennen die meisten von Krankheiten wie Krebs – was die wenigstens wissen ist, dass es diese Schleifen für jede Krankheit gibt und sie, je nach Farbe, Aufschluss über besagte Krankheit geben. Das Awareness Ribbon für Diabetes ist blau-grau mit einem roten Blutstropfen. Da ich mich jedoch nicht komplett auf die Kenntnis meiner Mitmenschen über diese Schleifchen verlassen wollte, wurde noch der Schriftzug „Type 1 Diabetes“ eingearbeitet.

Das Stechen an sich ging relativ schnell (circa 1 Stunde) und schmerzfrei vonstatten – viele haben aufgrund der dünnen Haut am Handgelenk Respekt vor dieser Stelle, ich fand es jedoch gut auszuhalten. Oft sticht man Motive am Handgelenk so, dass es für einen selbst auf dem Kopf steht, andere Personen es aber lesen können – ich wollte es aber definitiv so herum, damit es für mich selbst lesbar ist und bin damit auch bis heute zufrieden. Also ziert seit Dezember 2013 dieses Motiv mein Handgelenk.

Vielen Dank an purpleavocado.de fürs Foto!
Vielen Dank an purpleavocado.de fürs Foto!

Und die Reaktionen? Bisher durchweg positiv – selbst Leute, die auf Tattoos eher nicht gut zu sprechen sind, gaben mir für die Idee und die Umsetzung schon Komplimente. Für mich bedeutet das Tattoo einfach ein Stück mehr Sicherheit im Alltag, ohne dass ich jeden Tag daran denken muss, ob ich denn eine Kette umgelegt habe, die jemand im Ernstfall sehen könnte. Ein paar Mal wurde ich gefragt, ob es mich nicht stört, dass meine Krankheit so sichtbar auf meinen Körper verewigt ist – nein! Warum sollte ich mich schließlich für etwas verstecken, wofür ich nichts kann? 😉

Wie steht ihr zu diesem Thema? Tragt ihr Ketten oder Kärtchen bei euch oder habt ihr euch sogar auch ein Diabetes-Tattoo stechen lassen? Lasst es mich in den Kommentaren wissen!

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12 thoughts on “Mein Diabetes Tattoo – Und warum ich mich dafür entschieden habe

  1. Claudi

    Mir gefällt dein Tattoo sehr gut und ich bin auch am Überlegen, ob ich mir ein Tattoo als Hinweis auf meine Krankheit stechen lassen soll.
    Was mich davon abhält, ist im Moment aber der Hinweis, dass man es vermeiden soll Diabetes-Schmuck zu tragen, da bei Verkehrsunfällen, selbst wenn man nicht schuld ist, das ganz schöne Konsequenzen nach sich ziehen kann.

    1. Hallo Claudi, freut mich zu hören, vielen Dank. 🙂
      Ich persönlich glaube nicht, dass das ein Problem wäre. Schließlich ist es als Diabetiker ja auch nicht verboten, den Führerschein zu machen. Und wer will dir in dem Moment denn beweisen, dass du wirklich Diabetes hast – gerade, wenn man nicht mal am Unfall schuld war? Es könnte ja auch das Erinnerungstattoo für die an Diabetes verstorbene Omi sein.. 😉
      Natürlich wäre auch ein weniger auffälliges Tattoo eine Lösung, aber meines soll tatsächlich als Hinweis dienen und weniger als „persönliches Ding“. Viele lassen sich ja auch nur kryptische Zeichen stechen, die für sie dann eben was mit dem Diabetes zu tun haben, aber für andere nicht so offensichtlich sind. 🙂

  2. Gerry

    Hallo Ramona,

    diese Idee finde ich einfach genial!

    Es wäre bestimmt sinnvoll, sie einem größeren Kreis der Typ-1-Diabetiker bekannt zu machen als nur denen, die hier mitlesen oder bei Facebook auf Dich treffen.

    Hast Du schon einmal daran gedacht, die Redaktion des Diabetes-Journals (das Du wahrscheinlich auch kennst) darauf aufmerksam zu machen? Wenn so etwas in dieser Fachzeitschrift veröffentlicht würde, könnte man eine viel größere Zahl an Betroffenen erreichen.

    (Für mich selber kommt diese Lösung wohl eher nicht in Frage. Ich kann mich zwar sehr für Tattoos begeistern – aber nur an anderen Leuten, nicht an mir selbst; ich hatte selber noch nie eines und kann mir nicht vorstellen, in meinem Alter zum ersten Mal ein Tätowierstudio zu betreten. Aber für viele jüngere Leute heutzutage ist dies sicher kein Problem!)

    Ich war gottseidank in über 40 Jahren mit Typ 1 noch nie in einer diabetesbedingten Situation, die das Eingreifen Dritter erfordert hätte, aber ich würde es doch als sehr vermessen ansehen, zu behaupten, dass ich nie in eine solche Lage kommen könnte! Also werde ich, wenn schon nicht tätowiert, zumindest das Kärtchen im Geldbeutel beim Personalausweis weiterhin dabei haben! Aber für die Jüngeren: mach Deine Idee weiter publik.

    Gut wäre es, wenn außer den medizinisch geschulten Personen auch die breite Öffentlichkeit (und, wie man hier sieht, auch einzelne Typ-1-Leute) besser über Hypo- oder Hyperglykämien und die damit verbundene ernst zu nehmende Gefahr des Auftretens von Bewusstlosigkeit und entsprechende Hilfemaßnahmen aufgeklärt wären, damit sie den Sinn des Tattoos auch ohne weitere Hilfe verstehen.

    Viel Erfolg mit diesem Blog, ich werde ab und zu mal wieder reinschauen!

    Gerry

    1. Hallo Gerry!

      VIelen Dank für deine lieben Worte und den ausführlichen Kommentar! 🙂
      Der Blog befindet sich ja quasi noch im Aufbau, ich arbeite aber daran, mir ein Netzwerk aufzubauen und es wird auch hoffentlich bald alles etwas voran gehen. Zur Zeit teile ich meine Beiträge vor allem in Facebookgruppen, werde aber in Zukunft auch bei der Blood Sugar Lounge aktiver mitwirken!

      Liebe Grüße,
      Ramona

  3. Sassi

    Hey um euch allen etwas die Angst zu nehmen Sanitäter messen bei bewusstlosigkeIT immer erst den Blutzucker egal ob Diabetiker oder nicht; ) egal ob ihr ein Kettchen oder tattoo tragt 🙂 aber das Tattoo finde ich trotzdem cool 🙂

  4. Corinna Dietlein

    Hi an alle und an meine BDFFI (Beste Diabetes Freundin Für Immer <3 )-Ramona!

    Ich persönlich finde dieses Tattoo sehr durchdacht. Es vereint genau das, was dich ausmacht – eine Tattooliebhaberin und eine Typ 1-Diabetikerin. Genau wie Carla hoffe ich, dass dir dieses Tattoo im Notfall wirklich helfen kann und nicht übersehen wird.
    Ich selbst bin auch Diabetikerin vom Typ 1, habe aber weder Kettchen noch ein Tattoo bei mir, wenn ich außer Haus gehe. Stattdessen habe ich ein Kärtchen in meinem Geldbeutel. Ob mir das im Notfall aber etwas bringt bezweifle ich stark. Ich als Ersthelfer würde auch nicht sofort auf die Idee kommen bei einer hilfsbedürftigen Person im Geldbeutel nachzusehen – allein den Geldbeutel aus der Tasche zu kramen und sich durch die tausend Mitglieds- und Bonuskärtchen zu wühlen dauert ja gefühlt eine Ewigkeit.
    Tatsächlich gehe ich oft mit Bekannten, die nichts von meiner Krankheit wissen, und mit dem leichtsinnigen Gedanken aus: "Ach mir passiert schon nichts. Ich bin seit 17 Jahren Diabetikerin, ich kenne mich und kann schnell reagieren, falls ich unterzuckere". Dass das mehr als wahnsinnig ist, weiß ich selbst. Meine Schwester hat mich schon oft aus der ein oder anderen prekären Situation gerettet, immer mit dem (zurecht) vorwurfsvollen Satz hinterher: "Ich hau dir das nächste Mal eine runter, wenn du wieder ohne genügend Notfall-BE ausgehst. Ich bin nicht immer da und kann auf dich aufpassen!".
    Ich habe noch das Diabetiker-Silberkettchen in den Tiefen meiner Schublade daheim. Vielleicht sollte ich es zu meinem eigenen Schutz tragen. Eventuell kann man es ja irgendwie "aufhübschen". Dann aber auch wieder die Frage: Wie schnell kommen Ersthelfer drauf, in einem Halskettchen nach Infos zu suchen, die im Notfall helfen können?

    Danke für deinen ersten tollen Blog-Eintrag, liebe Ramona!
    Ich bin gespannt auf das, was folgt und werde weiterhin fleißig kommentieren 🙂

    Corinna

    1. flugzucker-admin

      <3 Süßer Kommentar!
      Ich erinnere mich auch an so einige Situationen, in denen ich dir schon was von MEINER Notfallration in den Mund stopfen musste, weil die Handtasche mal wieder zu klein für ne SunKist war :P

  5. Sehr schöner Einstiegspost, ich hab deinen Blog gleich mal abonniert 🙂

    Das Tattoo als Info für den Notfall ist mal eine wirklich originelle Idee 😀 Aber warum auch nicht? Hoffentlich blendet das ein Helfer in dem Moment nicht einfach als buntes Bildchen aus, aber zu verlieren gibt es ja nichts. Erst recht nicht, wenn es gleichzeitig noch so dekorativ aussieht – sehr schöner sketchy Stil, gefällt mir gut. Ich mag Tattoos übrigens auch allgemein, wie man vermutlich merkt 😉

    Liebe Grüße
    Carla

    1. flugzucker-admin

      Hallooo Carla, lieben Dank fürs Abonnieren! Freut mich, dass dir mein Blog und natürlich auch mein Tattoo gefällt 😀

  6. Manuela Giersch

    Ich trage weder Kettchen, noch sonst irgendwas um auf meine Krankheit hinzuweisen.
    Tatoos mag ich von jeher nicht. Wenn ich mir aber in geistiger Umnachtung doch mal was stechen lassen sollte, dann höchstens den Namen meiner Kinder – und nicht den meiner Krankheiten?
    Was ist bei Dir „potentiell bedrohlich“?
    Diabetes doch sicherlich nicht!
    Ich finde, man kann es auch (sehr) übertreiben…
    Trotzdem wünsche ich Dir das Allerbeste!
    Die geschriebenen Zeilen spiegeln und geben nur meine Meinung wieder und sollen weder angreifend noch beleidigend sein.
    Grüße
    Manu

    1. flugzucker-admin

      Hallo Manu! Na, wenn du Tattoos von jeher nicht magst, dann wird dich mein Blog glaube ich eher nicht glücklich machen. 😀 Dennoch möchte ich dich bitten, etwas auf deine Ausdrucksweise zu achten („in geister Umnachtung..“), wenn dein Kommentar nicht beleidigend klingen soll.
      Tattoos sollten in erster Linie den Träger glücklich machen. Jeder hat andere Beweggründe für die Motivwahl – ich zum Beispiel verstehe das mit den Kindernamen überhaupt nicht, die vergisst man doch nicht mal eben? 😉

      Potenziell bedrohlich beim Diabetes? Wo fange ich an… Hypoglykämien, die zur Bewusstlosigkeit führen können – oder Hyperglykämien, die zur Ketoazidose und somit zum Koma führen können. Und wenn man dann unter Fremden allein ist, Hallelujah. Ist mir in 16 Jahren zum Glück noch nie passiert, aber man weiß ja nie. Deswegen empfinde ich persönlich mein Tattoo als gut und sinnvoll. 🙂

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