Diabetes around the World: USA

Diabetes around the World: USA

Trommelwirbel: Heute starten wir mit der neuen Serie „Diabetes around the World“ hier auf dem Blog! Auf Instagram habe ich Diabetiker, die nicht in Deutschland leben, aufgerufen sich bei mir für ein kurzes Interview zu melden und mehr über das Leben mit Diabetes in ihrem Land zu erzählen. Die Resonanz war wahnsinnig gut, Danke dafür 🙂 Legen wir also los!


Einer der ersten, der sich bei mir gemeldet hat, war Kevin Simon. Er ist 25 Jahre alt, seit März 2003 Typ 1 Diabetiker und lebt seit April 2017 in den USA. Zur Diabetestherapie nutzt er seit 2004 eine Pumpe und seit 2016 FGM/CGM.
Er hat zwar (noch) keinen Blog, aber in der Zwischenzeit kann man ihm auf Instagram folgen 🙂

Kevin mit seinem Hundewelpen Sam(-antha). Ein Deutscher Schäferhund, um nicht ganz allein unter den Amerikanern zu sein 😉

Hey Kevin! Du kommst ja ursprünglich aus Köln, lebst aber seit Anfang 2017 in den USA. Wieso bist du ausgewandert?

Meiner Liebe wegen bin ich ausgewandert, geplant hatten wir dies schon ein Jahr zuvor. Kennengelernt hatte ich meine große Liebe Ende 2015 in San Francisco – jetzt, 2 Jahre später, sind wir verheiratet und leben im wundervollen Alabama.

Ich sehe wahnsinnig oft auf Instagram Posts von Amerikanern, die sich über die horrenden Kosten für Insulin und andere Diabetes-Supplies beschweren. Auch mir ist die USA jetzt nicht als das Land mit dem besten Gesundheitssystem bekannt 😀 Sag doch mal ein paar Worte zur Versorgungssituation: Muss man das wirklich alles selbst zahlen? Gibt es Krankenversicherungen wie bei uns, die das alles abdecken und was kosten diese?

Für mich selbst war die USA für eines der besten Gesundheitssysteme bekannt, jedoch hat das hier auch den dementsprechenden Preis, dessen war ich mich vorher nicht so ganz bewusst.
Natürlich habe ich mit meiner Verlobten vor dem Auswandern über die Versorgung meiner Autoimmunkrankheit gesprochen, wir haben zusammen nach einem örtlichen Diabetologen recherchiert und auch schon einen Termin, eine Woche nach dem Ankommen in den USA, vereinbart.

Ich war mal so frei und habe alle meine Kosten auf ein Kalenderjahr hochgerechnet und aufgelistet, damit ihr euch mal selbst ein Bild machen könnt, wie gesagt, es ist von Krankenkasse zu Krankenkasse unterschiedlich. (Wir haben übrigens eine recht gute Krankenkasse, da meine Frau an der Universität angestellt ist und somit gute Leistungen für gute Konditionen bezieht.)

Deutschland:
– Krankenkasse laut Entgeltbescheinigung = 3204 Euro im Jahr
– Insulin pro Quartal, Eigenanteil 10 Euro = 40 Euro im Jahr

USA:
– für die ganzeFamilie 300 Dollar / Monat (früher hatte meine Frau alleine nur 30 Dollar / Monat gezahlt) = 3600 Dollar im Jahr
– Medical Supplies = 300 Dollar im Jahr (danach zahlt die Krankenkasse 100%)
– Medikamente (Insulin & Teststreifen) 100 Dollar im Quartal, wenn nicht sogar mehr = 400 Dollar im Jahr
– Co-Pay 35 Dollar (*wird später erläutert!)

Kevins Pumpe, die Medtronic 630G – gefüllt mit NovoRapid, was in den USA NovoLog heißt.

Aktuell benutzt du die Medtronic 630G in Kombination mit dem Dexcom G5; bei deiner Auswanderung waren es noch die Medtronic Paradigm Veo und das FreeStyle Libre. Hat sich der Systemwechsel in den USA schwierig gestaltet? Welche Hürden galt es zu überwinden?

Nein, das würde ich nicht behaupten, es läuft systemseitig alles bestens. Jedoch hat sich bei der Auswanderung meine Basalrate komplett verändert, in Deutschland waren es über die Jahre hinweg immer um die 21 Einheiten am Tag, jetzt in den USA sind es nur noch knapp 16 Einheiten.

Der Weg um an diese Geräte zu kommen, gestaltet sich hier zu Lande ein wenig anders, als ich es in Deutschland gewohnt war. Sobald man beim Diabetologen seinen Wunsch geäußert hat, man würde gerne das Dexcom G5 haben wollen, dann drückt dieser einem eine Visitenkarte des lokalen Dexcombetreuers in die Hand, man solle ihn doch anrufen – er kümmere sich dann um das Weitere. Gesagt – getan. Kurzerhand haben wir den Betreuer angerufen, ihm haben wir unseren Arzt, unsere Versicherung und unsere Kreditkartennummer durchgereicht. Dieser Betreuer regelt die Verbindung zwischen dem Arzt und deiner Krankenkasse, es wird zuzusagen wie in Deutschland ein Kostenvoranschlag erstellt, der Arzt unterzeichnet ebenfalls auch, dass ich ein Dexcom benötige.
Keine 2 Wochen später schickt mir ein Zwischenhändler (in Zusammenarbeit mit Dexcom) meine Dexcom-Supplies. Ebenso sieht es auch mit Medtronic aus, hier kommt das Ganze aber direkt von Medtronic zu einem nach Haus.

Wenn du einen direkten Vergleich ziehst zwischen dem Gesundheitssystem in Deutschland und den USA – was findest du besser? Haben in manchen Punkten die USA oder Deutschland die Nase vorn?

Was die medizinische Versorgung angeht, würde ich behaupten, dass die USA hier nicht sehr solidarisch mit seinen Mitbürgern umgeht, jeder ist sich hier selbst der nächste. Das macht das ganze natürlich auch umso teurer. In Deutschland hingegen, war mir das ganze hingegen sehr günstig!

Erinnert ihr euch noch damals, als man in Arztpraxen immer 10 Euro pro Quartal zahlen durfte? So etwas Vergleichbares gibt es hier auch und zwar handelt das auch jede Krankenkasse unterschiedlich. Sie nennen das „Co-Pay“. Bei jedem einzelnen Arzt Besuch, muss ich 35 Dollar zahlen. Es wird gemunkelt, diese Gebühr kommt dadurch zustande, dass man nicht mit jedem Wehwehchen zum Arzt rennt.

Beide Länder, bzw. die Gesundheitssysteme haben also für mich Vor- und Nachteile. Im Idealfall würde ich nur die positiven Dinge beider Systeme nehmen und vereinen, aber so einfach ist das Leben nicht. Gut für die USA finde ich beispielsweise, du bekommst hier kein Rezept vom Arzt in die Hand gedrückt, mit dem du erstmal zur Apotheke rennen musst. Das wird hier anders gehandhabt, der Arzt fragt bei dem Ausstellen des „Rezepts“ nach deiner örtlichen Apotheke. Anschließend wird er direkt das „Rezept“ dorthin schicken, du kannst es sogar oftmals direkt am selben Tag dein Medikament dort abholen oder du bekommst automatisch eine SMS wenn es soweit ist.

Was jedoch schade ist, die Krankenkassen in den USA arbeiten oftmals mit einem Ärztenetzwerk zusammen. Das bedeutet: hast du in deinem Ort keinen Arzt von deiner Krankenkasse, dann musst du sozusagen in einen anderen Ort zum Arzt fahren oder du darfst dementsprechend beim Arzt draufzahlen, dafür gibt es extra Tabellen wo man die Preise entnehmen kann.

Mount Cheaha, der höchste Punkt von Kevins neuer Heimat Alabama. Lässt sich aushalten!

Ich nehme an, auch in den USA ist Typ 2-Diabetes deutlich verbreiteter als Typ 1-Diabetes, wie auch in Deutschland. Hast du viel mit Vorurteilen zu kämpfen oder empfindest du die Amerikaner da als recht aufgeklärt, was die Unterschiede angeht?

Ich selber habe hier noch nie mit Vorurteilen zu kämpfen gehabt, weder mit Vorurteilen zu Deutschen oder zum Diabetes. Jedoch ist mir eines recht schnell aufgefallen, viele Amerikaner, aber auch Deutsche, wissen nach wie vor nicht was Diabetes ist. Ebenfalls scheinen sich hier auch viele gar nicht dafür zu interessieren, mehr als ein „Hey cooles Pflaster am Arm!“ (mein Dexcom) bekommt man hier nicht zu hören, vielleicht mag es in einer Großstadt anders aussehen.

Vielen Dank für das Interview! Gibt es noch irgendetwas, was du anderen auswander-willigen Personen mit auf den Weg geben möchtest? 😊

Macht es, wandert aus! Sobald ihr überhaupt mal die Gelegenheit habt ins Ausland zu reisen und wenn es auch nur ein Auslandsjahr ist, dann macht es verdammt nochmal! Es wird euch viel Freude bereiten, ihr werdet viele neue Menschen und auch Freunde kennen lernen!
Auch dir Flugzucker, vielen Dank, dass ich hier etwas über mich und mein Diabetes-Leben in den USA teilen durfte!

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