Dexcom G5 CGM mit iPhone & Apple Watch im Test

Dexcom G5 CGM mit iPhone & Apple Watch im Test

Ich war schon immer ein sehr panischer Diabetiker. Es macht mich wahnsinnig, nicht zu wissen, in welche Richtung sich mein Blutzucker bewegt. Bevor es die Möglichkeit der kontinuierlichen Glukoseüberwachung gab, habe ich spätestens alle 30 bis 60 Minuten blutig meinen Blutzucker getestet – und selbst das hat mir keine Ruhe gegeben. Viele Grüße an dieser Stelle an meine Diabetologin, die das hier bestimmt liest und sich fragt, wie man alle 30 Minuten messen und so einen unterirdisch schlechten Hba1C haben konnte – mit genug Angst vor Unterzuckerungen klappt das ganz gut! Somit war bereits das FGM-System FreeStyle Libre eine gewaltige Erleichterung für mich und konnte meinen Langzeitwert deutlich verbessern. Panisch bin ich immer noch, aber es ist deutlich angenehmer geworden, panisch zu sein. Jetzt bin ich panisch ohne zerstochene Fingerkuppen.

Aber eine Sache fehlt dem Libre eben. Die eine Sache, die den panischen Diabetiker zu einem glücklichen, panischen Diabetiker macht: Alarme. Sofort hören, wenn der Blutzucker sinkt und nicht mit wahlweise 58 oder 342 mg/dl dastehen und erstmal „Oh, ja, ups, scheiße“ denken. Und so liebäugelte ich im Kopf schon länger ein bisschen mit einem CGM, war aber andererseits auch nicht sonderlich guter Dinge, dass die Krankenkasse das einfach so bewilligen würde. Umso glücklicher war ich, als ich eine Mail von Dexcom Deutschland im Postfach hatte – mit dem Angebot, ihr CGM-System zu testen. Dass man mich nicht zwei Mal fragen musste, ist klar, oder?


Mir wurden von Dexcom Deutschland insgesamt 6 Sensoren, 1 Transmitter, das Empfängergerät sowie ein iPhone 6S und eine Apple Watch zur Verfügung gestellt, um das System ausgiebig zu testen. Nach Ablauf der Testphase wurden alle Geräte an Dexcom zurück gesendet. Ihr lest hier meine eigene Meinung und nichts anderes; ich wurde weder vertraglich vepflichtet noch bezahlt, um darüber zu schreiben.


Übrigens: In diesem Beitrag wird es um das Dexcom und seine Funktionen allgemein gehen. Um den Rahmen nicht zu sprengen, werde ich einen gesonderten Beitrag über das Dexcom im Alltag verfassen 🙂


Wo liegt überhaupt der Unterschied zwischen FGM und CGM?

Libre-Lesegerät (links) vs. Dexcom-Empfänger (rechts)


Was ist das Dexcom G5 Mobile?

Quelle: nintamed.eu

Das Dexcom G5 Mobile ist also ein CGM-System. Für alle, die sich bisher nicht damit auskennen, erkläre ich einmal kurz die einzelnen Bestandteile. Der Sensor wird mit Hilfe des Sensorapplikators aufgeklebt und mit einer Nadel gelangt der Sensorfaden unter die Haut. Auf den Sensor steckt man dann den kleinen grauen Transmitter. Empfangen werden die Werte nach einer 2-stündigen Aufwärmphase entweder mit dem Empfängergerät oder dem Handy.


Das Dexcom G5 mit iPhone vs. Dexcom-Empfänger

Leider war mein Smartphone, ein Samsung Galaxy S5 Neo, nicht in der Lage mit dem Dexcom zu kommunizieren – deshalb habe ich von Dexcom für den Testzeitraum ein iPhone zur Verfügung gestellt bekommen. Anfangs war ich skeptisch: Meine Libre-Daten würde ich niemals mit dem Handy auslesen, ich vertraue diesem alten Mistding einfach nicht. Und eigentlich war ich auch immer jemand, der „Diabeteskram“ und „Handykram“ gerne getrennt hat und so hatte ich anfangs tatsächlich immer das Dexcom-Empfänger-Gerät dabei, welches im Starter-Kit enthalten ist. Das ist aber zugegebenermaßen ziemlich altmodisch und irgendwie umständlich zu bedienen. Und so kam es, dass ich, mit dem iPhone als verlässliches Smartphone ausgestattet, schon nach wenigen Tagen die Werte nur noch über dieses empfing. Das funktioniert klasse und nachdem man ja eh ständig aufs Handy schaut, hat man so auch die Werte immer nebenbei im Blick – sogar ein Widget für den Sperrbildschirm kann man sich einrichten 🙂 Die Warnungen für die Alarme sind individuell einstellbar – bis auf den „Akut niedrig“-Alarm bei 55mg/dl, der geht immer los. Mit einer 90 Grad-Drehung des Bildschirms kann auch der Glukoseverlauf der letzten 6, 12 und 24 Stunden angesehen werden.


Die Dexcom-App, die Alarmeinstellungen und das Sperrbildschirm-Widget.

Zudem bietet das Dexcom G5 eine weitere interessante Funktion: Nämlich die Follow-App. Diese kann sich der Mensch des Vertrauens auf sein Handy laden (soweit ich weiß funktioniert dies mit allen Smartphones, sie müssen nicht explizit mit dem Dexcom G5 kompatibel sein) und, sobald die Freigabe erlaubt ist, die Blutzuckerwerte live mitverfolgen. Fancy! Sofern dies eingestellt ist, bekommt der Follower dann auch Alarme, beispielsweise wenn der Blutzucker über einen langen Zeitraum niedrig ist. Wenn man aber gerade niemanden über die eigenen Werte unterrichten möchte, beendet man die Follow-Funktion. Ich habe das einfach mal zum Spaß mit meinem Freund ausprobiert; und ich glaube, gerade für Eltern kann diese Funktion sehr praktisch sein.


Die Follow-Funktion in der Dexcom-App und wie sie auf dem Smartphone des Followers (in diesem Falle Android) dargestellt wird.

Das Dexcom G5 mit der Apple Watch

Als ob das nicht alles schon fancy genug wäre, es geht noch ein Stück fancier – mit einer Apple Watch! Hätte mir bei meiner Diagnose vor knapp 18 Jahren jemand gesagt, ich könne mal meine Blutzuckerwerte samt Trendpfeil an einer Uhr am Handgelenk ablesen, ich hätte ihn vermutlich ausgelacht. Nun, da sind wir also. Schöne neue Welt. Vielen Dank an dieser Stelle auch nochmal an meine „Vor-Testerin“ Sarah von Dia-Beat-This, dass du mir die Uhr für den Test frühzeitig überlassen hast!

Man kann sich also die Werte auch an die Smartwatch schicken lassen und mit einem einfachen Drehen des Handgelenks ist der Wert dezent abgerufen. Auch die Alarme werden an die Uhr übertragen und über eine Vibration ausgelöst. Das find ich sogar noch besser als die Handy-App! Außerdem bin ich der Meinung, dass sich das auch sehr positiv auf die Einstellung insgesamt auswirkt, da man einfach dauerhaft den Blutzucker quasi nebenbei im Blick hat und somit schneller auf zu hohe oder zu niedrige Werte reagieren kann.

Einziges Manko: Derzeit (Stand November 2017) braucht man das Handy immer in der Nähe, um Werte auf der Apple Watch zu empfangen, da dieses als „Verbindungsstück“ gilt. Der Transmitter überträgt also zuerst ans Handy und dieses überträgt dann an die Uhr. Ein bisschen unpraktisch, aber da heutzutage ja eh jeder ständig am Smartphone klebt, kann man diesen kleinen Wermutstropfen wohl verkraften. Ich bin außerdem zuversichtlich, dass auch bald eine Direktverbindung möglich ist.


Apple Watch mit Dexcom-App auf dem iPhone 6S. Und nicht so schöne Werte, aber die gibt es eben auch.

Das Auswerten der Daten des Dexcom G5

Besonders gut und einfach fand ich auch die Software, mit der man die Daten des Dexcom G5 auslesen kann. Eigentlich ist es nicht mal eine Software, denn man meldet sich einfach in seinem Bereich auf der Dexcom-Homepage an und hat dann über „Clarity“ sofort zugriff auf die Werte der letzten 90 Tage. Was ich wirklich klasse fand: Clarity erkennt automatisch Muster! So wurde bei mir zum Beispiel eine Tendenz zu hohen Werten nachts festgestellt. Eigentlich hatte ich damit nie sonderlich große Probleme, aber ich muss zugeben, im Testzeitraum wohl in Sachen „fettiges Abendessen“ öfter mal über die Stränge geschlagen zu haben. 😉


Clarity, das Programm zum Auswerten der Daten.

Was mir am Dexcom G5 sehr gut gefallen hat…

  • Alarme! Die Alarmfunktion ist für mich wirklich unschlagbar. Ich habe das Problem, hohe Werte nicht zu bemerken und bin so oft stundenlang mit Werten jenseits von Gut und Böse herum gerannt. Das Dexcom warnt mich sofort. Auch die ein oder andere Wutbolus-Hypo konnte ich frühzeitig abwenden, da ich auch Alarme für eine starke Abfallrate eingestellt hatte.
  • Die Handy-App und die Möglichkeit zur Übertragung aufs Smartphone!
  • Die Messgenauigkeit! Die Abweichungen zu den blutigen Werten waren meist gar nicht vorhanden und wenn dann nur minimal, meist im Bereich von unter 10mg/dl. Durch die Kalibrierung passen sich die Messwerte außerdem an.
  • Die Schnelligkeit! Beim Dexcom liegt die Verzögerung zwischen Blut- und Gewebezucker nur bei wenigen Minuten und nicht bei 20-30 Minuten wie beim FreeStyle Libre.
  • Die Genauigkeit auch bei Extremwerten! Wenn da 50mg/dl auf dem Bildschirm steht, dann hatte ich auch 50mg/dl. Und nicht vielleicht eigentlich noch 85mg/dl, wie es beim Libre öfter der Fall war. Das gleiche gilt für hohe Werte.

Was mir am Dexcom G5 weniger gefallen hat…

  • Die Setzhilfe! Grundgütiger, wer hat sich diese Setzhilfe ausgedacht? Nicht nur, dass sie extrem einschüchternd aussieht, nein, ich fand sie auch noch ziemlich umständlich zu bedienen. Nach ein paar Mal wurde es zwar besser, aber am Arm habe ich immer Hilfe gebraucht. Einhändig ist sie sehr schwer zu bedienen.
  • Das Aussehen! Im Gegensatz zum flachen, schmalen Libre ist das Dexcom durch den aufgesteckten Transmitter schon ein Klotz. Sehr hoch ist es vor allem. Erstaunlicherweise bin ich trotzdem nie daran hängen geblieben, selbst am Arm nicht. Wer sich von den Blicken anderer Leute gestört fühlt, wird aber definitiv keinen Spaß haben – während das Libre oft noch irgendwie für ein Nikotinpflaster gehalten wird, bekommt man beim Dexcom dann schon ziemlich entsetzte Blicke ab. Mir aber egal 😀
  • Autsch! Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass ständig irgendetwas gezwickt hat und ich den Sensor doch öfter mal gespürt habe – vor allem am Arm hatte ich oft ein pieksendes Gefühl. Auch bei einem Sensor am Bauch hatte ich ein paar Tage lang wirklich Schmerzen, nämlich während meines London-Urlaubs, in dem ich ständig eine darüber scheuernde Jacke anhatte. War aber immer noch weniger schlimm, als sich ständig in den Finger zu stechen. 😉

Mein Eindruck vom Dexcom G5 CGM

Ich denke, man kann es aus dem Beitrag ohnehin schon raus lesen, aber hier nochmal offiziell: Ich. Bin. Begeistert. Sehr sogar! Wenn man wie ich jemand ist, dessen Blutzucker nicht immer super vorhersehbar reagiert und der sich generell viele Gedanken um zu hohe oder zu niedrige Werte macht, gibt das System einfach ein riesiges Stück Lebensqualität. Auch bei Wahrnehmungsstörung, sei es bei Hypos oder Hypers, ist das System Gold wert. So sicher und ruhig wie mit dem Dexcom G5 habe ich mich während meiner kompletten Diabeteskarriere nicht gefühlt. Und so kam es, dass ich noch während des Testzeitraums das Dexcom G5 bei meiner Krankenkasse beantragt habe. Drückt mir die Daumen! <3


Vielen Dank an Dexcom Deutschland für die tolle Möglichkeit, das System zu testen!

Nutzt ihr auch das Dexcom G5 oder ein anderes CGM-System? Oder bleibt ihr eher dem Libre treu? Erzählt mir mal von euren Erfahrungen! 🙂


 

Das könnte Dich auch interessieren:

4 thoughts on “Dexcom G5 CGM mit iPhone & Apple Watch im Test

  1. Lisa

    Ich habe seit ca 1 Monat den Dexcom G4 und bin total begeistert!😊 Ich bekomme die Werte zwar „nur“ auf meine Pumpe aber das find ich total okay😁 Es ist so ein riesiger Fortschritt und eine Erleichterung im Alltag die ich nicht mehr missen möchte. Ich habe meine Diagnose ebenfalls vor 18 Jahren bekommen und finde es auch hammer wie viel sich in der Zeit getan hat:D
    Das einzige was mich auch ein bisschen stört ist die Größe aber das werde ich in Kauf nehmen😊

    1. Krass, oder? Damals noch mit Insulinfläschchen und Einwegspritzen.. 😀 Freut mich, dass du auch so damit zufrieden bist! <3

  2. Die Begeisterung kann man wirklich lesen und ist super ansteckend ;). Und es klingt wirklich vielversprechend. Besonders spannend finde ich die Möglichkeit den aktuellen Wert immer am Handgelenk ablesen zu können. Das ist eine technische Zukunft auf die ich mich freue 😀
    Ich trage derzeit den Libre-Sensor und bin damit natürlich auch sehr zufrieden. Ich habe immer die Werte auf dem Handy und kann sie direkt ins Tagebuch eintragen. Aber man muss halt doch immer manuell scannen… (Meckern auf hohem Niveau)
    Halte uns bitte auf dem Laufenden wie deine KK entscheidet. Ist ja doch ein recht teures System. Ich drücke dir aber die Daumen das es klappt!!!
    Vielleicht sollte ich das Thema beim nächsten Arzttermin mal ansprechen.

    1. Ja, das Meckern auf hohem Niveau gewöhnt man sich wirklich schnell an 😀 Ich bin ja gerade auch wieder beim Libre, bis die KK in die Gänge kommt und empfinde das schon fast als Rückschritt. Dann reiß ich mich aber auch ziemlich schnell wieder am Riemen und denk dran, was andere in anderen Teilen der Welt für so ein System (oder überhaupt für ein Messgerät mit genug Teststreifen!) tun würden ^^‘
      Ich update auf jeden Fall regelmäßig hier und/oder auf Insta! Bin mir sicher, dass dir das Dexcom auch taugen würde, gerade, weil du ja auch viel unterwegs bist 🙂

Leave a Reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.