Backpacking mit Diabetes [Interview mit Type1Backpacker] Teil 2

Backpacking mit Diabetes [Interview mit Type1Backpacker] Teil 2

Heute gehts weiter mit dem Interview mit Michi von Type1Backpacker über sein Work&Travel-Jahr in Kanada und Backpacking mit Diabetes! Wer den ersten Teil verpasst hat, kann ihn hier nachlesen und wir legen direkt ohne lange Umschweife los. 😉


Lust auf noch mehr Diabetes-Geschichten aus aller Welt? Corinna hat ein Auslandssemester in Finnland absolviert und Victoria war ein Jahr auf großer Weltreise!


Mein guter Freund und treuer Weggefährte Jaymie (aus Australien) und ich am Ende unserer Radtour in Seattle

Auf Reisen trifft man immer schnell Leute, vor allem wenn man wie du hauptsächlich in Hostels lebt. Erzählst du den neuen Bekanntschaften von der Krankheit, so dass sie im Notfall entsprechend reagieren könnten, oder machst du das quasi alles mit dir selbst aus?

Zugegebenermaßen war ich am Anfang etwas schüchtern was das betrifft. Die Scheu legte sich aber relativ rasch. Typ 1 Diabetes ist nun mal ein Teil von mir und nichts was ich verstecken muss. Auch eine Lektion, die mir im Laufe meines Auslandsjahrs extrem bewusst geworden ist. Meinen Mitarbeitern im Hostel und auch auf der Arbeit gab ich Bescheid und mir ist klar geworden, dass ein offener, lockerer Umgang mit der Krankheit einfach am besten für mich funktioniert.

Ich kann auch niemandem empfehlen, den Diabetes zu verheimlichen. Ich denke wir besitzen nicht nur uns, sondern auch gegenüber unseren Mitmenschen die Verantwortung sie über eventuelle Zwischenfälle, die nun mal auftreten können, aufzuklären.

Seid offen und locker den Menschen gegenüber die ihr auf eurer Reise trifft. Nicht nur wenn es um euren Diabetes geht, sondern generell. Dann wird’s einfach am besten 🙂

Diablos BBQ-Grill, Sommer 2016, Montréal

Wenn du auf dein Jahr in Australien zurückblickst – wie hat der Diabetes deine Art zu Reisen verändert?

Hmm… also da würde ich nochmal diesen Planungs- und Organisationsaspekt hervorheben. Je nachdem wohin man will oder was man machen will, muss man sich vorher gut überlegen welche Schwierigkeiten auftreten können. Aber wer seinen Diabetes schon etwas länger mit sich rum schleppt, wird keine Probleme damit haben oder sich eingeschränkt fühlen. Ich kann jetzt spontan an nichts denken, was ich aufgrund des Diabetes nicht machen würde.

Das liegt wahrscheinlich auch daran, dass meine zwei-monatige Reiserei aus sechs Wochen und 1500 Kilometern Fahrrad fahren bestanden. Diese Fahrradtour hat mir nur nochmal bestätigt, was ich vorher schon wusste und was uns so viele andere Diabetiker im Leistungssportbereich bereits vorgelebt haben: Wir Diabetiker können mit der richtigen Vorbereitung alles machen! 🙂

Auf’m Fahhrad im Jasper National Park. Sogar mit Freestyle-Libre 😉

Würdest du das Backpacken mit Diabetes empfehlen und was ist der Grund für deine Meinung?

Den ersten Teil der Frage muss ich mit einem ganz, ganz eindeutigen JA beantworten. Nicht nur weil ich mit meinem Diabetes noch besser klar komme, als zuvor. Nein, insbesondere weil das Backpacken einen riesen Anteil zur Persönlichkeits- und Charakterentwicklung beiträgt. Man lernt tolle Menschen aus allerlei Ländern kennen, schließt einzigartige Freundschaften, kreiert unvergessliche Erinnerungen, sieht atemberaubende Flecken dieser Erde und erweitert den eigenen Horizont. Das ganze passiert dann meist auch noch so spielerisch, weil es einfach so eine freie Art zu leben ist. Und ehe man sich versieht sitzt man wieder zu Hause und beginnt ganz langsam zu realisieren, was denn in den letzten Monaten mit einem passiert ist.

Ich habe es bereits in einem meiner Blogeinträge erwähnt und ich bleibe dabei: Backpacken gibt euch die Möglichkeit für kurze Zeit aus dem normalen Alltag auszusteigen und eure Karten neu zu mischen, Vergangenes zu verarbeiten, Energie zu tanken und noch so vieles mehr. Und bisher habe ich noch nie jemanden getroffen, der es bereut hat. Es ist einfach Balsam für die Seele 🙂

Hendrik (aus Deutschland), heute einer meiner besten Freunde, habe ich im September 2011 an meinem ersten Tag in Sydney getroffen. Insgesamt waren wir sechs Monate zusammen unterwegs.

Wohin soll deine nächste Reise gehen? Möchtest du den Lesern sonst noch irgendetwas auf den Weg mitgeben?

Ja wo soll die nächste Reise hingehen… An Weihnachten habe ich schon angedeutet, dass es weitergeht. Also wird’s wohl Zeit die Bombe endlich platzen zu lassen. Wenn sich keine größeren Probleme mehr ergeben, werde ich in spätestens 5 Monaten, nach Neuseeland aufbrechen. Ich muss dieses Work & Holiday Visum einfach noch mitnehmen, da ich am Ende meines Jahres in Australien auch drei Wochen in Neuseeland war und es mich einfach umgehauen hat.

Wenn also alles klappt wie geplant, werde ich euch nach Kanada aus Neuseeland und dem ein oder anderen Land berichten. Ich hab da schon so einige Träume im Kopf, die ich noch gerne leben möchte 😉

Abschließend bleibt mir zu sagen: Vielen Dank für das coole Interview und an alle Typ 1er da draußen, die mit dem Gedanken spielen durch die Welt zu backpacken: Traut euch! 🙂

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