Im Land der tausend Seen – Auslandssemester mit Diabetes 1 [Gastbeitrag]

Im Land der tausend Seen – Auslandssemester mit Diabetes 1 [Gastbeitrag]

Hallo zusammen!
Es gibt ja immer mal wieder Themen, die man zwar interessant findet, aber einfach nicht selbst abhandeln kann – in meinem Fall wäre es das Thema „Auslandssemester mit Diabetes“. Wie gut, dass man (im wahrsten Sinne des Wortes!) zuckersüße Freunde hat, die das für einen übernehmen: Heute lest ihr hier einen Gastbeitrag meiner besten Freundin Corinna, die 2012 ein Semester in Finnland verbracht hat. Natürlich mit Diabetes im Gepäck 😉

Im Land der Tausend Seen – 5 Monate leben mit Diabetes in Finnland
Teil I: Vom Wegfahren, Ankommen und kulinarischen Köstlichkeiten

August 2012: Endlich war es so weit. Mein Auslandssemester in  Tampere, Finnland stand vor der Tür. Das Abenteuer konnte beginnen! Das erste Mal ganz allein so lange so weit weg von zu Hause. Völlig aufgeregt, aber auch mit feuchten Augen stand ich nun am Flughafengate und verabschiedete mich von meiner Schwester und meinem Papa. Hatte ich an alles gedacht? Hatte ich alles Überlebenswichtige eingepackt?

Schon Wochen zuvor hatte ich mir Listen geschrieben, was auf keinen Fall im Koffer fehlen darf. Was für Normalsterbliche ja schon nicht einfach ist, ist für uns Diabetiker gleich doppelt so schwer. Genug Unterhosen, Ladekabel für’s Handy, Papiere, Geld… – und dann noch den ganzen Diabetes-Kram! Schließlich müssen Insulin, Nadeln für die Pens, Teststreifen (für Erst- und Ersatzmessgerät), Lanzetten für die Stechhilfe und Ersatzbatterien volle fünf Monate ausreichen. Und da darf nicht zu knapp kalkuliert werden. Wie es so schön heißt: andere Länder, andere Sitten. Da muss notfalls zwei, drei Mal öfter gemessen und gespritzt werden, um den Blutzucker zu beobachten und zu kontrollieren.

Als Grundlage habe ich meinen Standard-Tagesbedarf an Diabetes-Utensilien genommen, um zu berechnen wie viel ich wohl in den kommenden Monaten brauchen werde und habe großzügig nochmal bei allem die Hälfte oben drauf geschlagen. Glücklicherweise war mein Hausarzt, der mir zu dieser Zeit immer die Rezepte für meinen Diabetes-Bedarf ausgestellt hat, sehr kooperativ und hat mir bereitwillig so viel aufgeschrieben wie ich wollte: „Bei so einer Ausnahmesituation kann man ruhig mal etwas mehr auf’s Rezept packen!“ Auch seitens der Krankenkasse (Danke an die TK 😉 ) kamen keinerlei Beschwerden – vielleicht auch, weil ich vorneweg schon eine Auslandskrankenversicherung abgeschlossen hatte und so bekannt war, dass ich für längere Zeit ins Ausland gehen würde. Kleiner Tipp am Rande: falls ihr euch unsicher seid, wie genau das bei eurer Krankenkasse abläuft und ob ihr so große Mengen an Medikamenten und Hilfsmitteln überhaupt genehmigt bekommt, ruft bei der KK-Hotline an und fragt nach. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass man dort immer gerne bereit ist, Auskunft zu geben und zu helfen. Außerdem solltet ihr euren Diabetesbedarf auf jeden Fall im Handgepäck mitführen.

Und da stand ich nun: am Mini-Flughäfchen von Tampere – mitten im Grünen zwischen Millionen Bäumen. Mein Exchange Buddy, eine liebenswerte Vietnamesin, die selbst seit einigen Jahren in Tampere studiert hat und das (soweit ich weiß) auch immer noch tut, hatte mir einen Fahrservice zu meiner Studenten-WG organisiert. Dort angekommen wurde ich gleich von meiner süßen chinesischen Mitbewohnerin begrüßt und herumgeführt. Was ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht wusste: Mit ihr sollte ich noch so einiges in den kommenden Monaten erleben! Sie war gleich so hilfsbereit und hat mir den nächsten Supermarkt gezeigt. Wir machten einen kleinen Spaziergang dort hin, bei dem ich die ersten Eindrücke sammeln und die Nachbarschaft kennenlernen konnte.

In Finnland bekommt man eigentlich alle Lebensmittel, die man auch in Deutschland kennt. Die Marken unterscheiden sich, aber der Inhalt ist ähnlich. Einzige Hürde am Anfang war natürlich die finnische Sprache, die so gar nichts gemein hat mit Deutsch oder Englisch. Ein Glück sieht dort eine Banane oder Käse nicht anders aus als hier in den heimischen Supermärkten – und dass die Finnen zu 99% gesalzene Butter im Kühlregal stehen haben, erschmeckt man auch recht schnell.

Zur Begrüßungsveranstaltung der 160 Austauschstudenten aus aller Welt in der Tampereen ammattikorkeakoulu (die FH in Tampere) gab es einige finnische Leckereien. Da waren zum einen die Karjalanpiirakka (karelische Piroggen) – kleine, mit Reis gefüllte Teigtaschen, die wahlweise kalt oder warm mit zerlassener Butter und herzhaftem oder süßem Topping gegessen werden. Zum anderen gab es Korvapuusti (finnische Zimtschnecken) und Salmiakki (Lakritz). Sowieso haben die Finnen ein sehr inniges Verhältnis zu Salmiakki. Den gibt es nicht nur in der traditionellen Variante, sondern auch in gesalzener Form und, weil’s so schön ist, auch als Likör.

Wie viel Kohlenhydrate genau diese Delikatessen haben? Keine Ahnung. Viele. Man bedenke nur mal den ganzen Reis, die gefühlten 100kg Zucker in den Zimtschnecken und den Lakritz, der ja auch aus nichts anderem als Zucker und Bindemitteln besteht. Meinen Blutzucker hat es die ersten Tage und Wochen ordentlich durcheinander gehauen. Klar, ich musste mich erst einmal an die neuen Gegebenheiten gewöhnen und ausprobieren, worauf mein Blutzucker wie genau reagiert. Wenn ich nicht zu Hause in meiner WG gegessen habe, hatte ich auch kaum die Möglichkeit meine Mahlzeiten abzuwiegen, um so die genaue Menge an Kohlenhydrate berechnen zu können.


Wie es mir nach der ersten Eingewöhnungsphase in Finnland erging und welche kleineren und größeren Abenteuer es im Alltag noch zu bewältigen gab, könnt ihr im nächsten Teil lesen! Hinterlasst auch gerne hier oder auf Facebook einen Kommentar und erzählt uns, ob ihr auch schon ein Auslandssemester hinter euch habt und welche Erfahrungen ihr dabei gemacht habt 🙂

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